Verschollene FSC-Gutachten

Land- & Forstwirtschaft22. Dezember 2017

  • Auch zweites FSC-Gutachten im Ministerium verschollen
  • FSC-Gutachten müssen endlich öffentlich diskutiert werden
  • Passen die Gutachten der Ministeriumsführung nicht?

„Auch das zweite von der Landesregierung in Auftrag gegebene Gutachten zur FSC-Zertifizierung ist offensichtlich im Ministerium verschollen. Anders lässt sich die Tatsache nicht erklären, dass die beauftragte Firma das Gutachten schon lange abgegeben hat und die Ergebnisse des Gutachtens noch immer nicht veröffentlicht wurden. Es scheint, als passen auch die Ergebnisse des zweiten Gutachtens nicht in die festgelegte Meinung der Umweltministerin und ihrer Staatssekretärin“, erklärte die forstpolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Wiebke KNELL.

Knell weiter:

„Dabei war die Auswahl des Unternehmens doch so gut auf die grüne Meinung abgestimmt. Schließlich ist die Gutachter-Firma der Landesregierung, die das eigene Gutachten der Experten von Hessen-Forst widerlegen soll, selbst Mitglied bei FSC Deutschland. Damit kann eigentlich von einem unabhängigen Gutachten nicht mehr die Rede sein, da FSC Deutschland seine Mitglieder zu absoluter Loyalität verpflichtet und die Satzung ansonsten den Ausschluss aus dem Verein vorsieht. Auch Staatssekretärin Dr. Tappeser unterliegt als Mitglied bei FSC Deutschland diesem strengen Verhaltenskodex. Uns ist schleierhaft, wie da eine unabhängige Politik nach Sachentscheidungen erfolgen soll.

Klar ist aber, dass neben Hessen-Forst offenbar selbst das FSC-freundlich gewählte Unternehmen der Umweltministerin offenbar nicht die Meinung der Hausspitze wiedergibt. Wir fordern die Umweltministerin auf, dass sie endlich beide Gutachten ungeschwärzt dem Parlament vorlegt und vor allen Dingen keine Einflussnahme auf das angeblich unabhängige Gutachten ausübt, das laut Medienberichten seit August im Ministerium vorliegt.

Insgesamt zeigt sich immer mehr, dass die FSC-Zertifizierung des Staatswaldes für den Steuerzahler teuer wird, ohne dass es einen ökologischen Nutzen gibt. Das hatte ja Hessen-Forst selbst bereits festgestellt. Um die Kosten auszugleichen, müssen Kommunen und Waldbesitzer immense Kostensteigerungen bei den Gebühren durch Hessen-Forst leisten. Die Folge ist der Ausstieg immer weiterer Kommunen aus dem Einheitsforstamt. Die CDU-geführte Landesregierung muss diesen Irrweg endlich beenden.“


Hintergrund:
Hessen-Forst hatte ein internes Gutachten über die von der schwarz-grünen Landesregierung forcierte FSC-Zertifizierung an das Umweltministerium geleitet. Darin kamen die Experten zu der Einschätzung, dass die FSC-Zertifizierung ökologisch keinen Mehrwert bringe, aber ökonomisch erhebliche negative Auswirkungen habe. Die Umweltministerin hatte nach Protesten von FDP und SPD den Abgeordneten lediglich erlaubt eine geschwärzte Fassung im Ministerium einzusehen. Das Gutachten selbst gab sie nicht heraus. Stattdessen wurde ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben, das laut Medienberichten seit August 2017 im Ministerium vorliegt und offensichtlich weiterhin überarbeitet wird.

FSC ist ein privatrechtlicher Verein, der gegen Entgelt ein Zertifikat verleiht, das allerdings beim Holzverkauf keinen ökonomischen zusätzlichen Gewinn bringt, allerdings höhere Auflagen setzt, die die Holzproduktion zwar verteuern, aber keinen ökologischen Nutzen haben, da der Staatswald bereits dem PEFC-Siegen unterliegt.