PÜRSÜN zur Ärzteversorgung im ländlichen Raum

Gesundheit17. Februar 2020

  • Frühzeitige Verpflichtung motiviert nicht zu Landarzt-Tätigkeit
  • Anreize für junge Mediziner setzen
  • Freie Demokraten werben für regionale Gesundheitszentren

WIESBADEN – „Der Vorschlag der SPD ist nicht dazu geeignet, den Ärztemangel auf dem Land zu beheben“, sagt Yanki PÜRSÜN, gesundheitspolitischer Sprecher der Fraktion der Freien Demokraten im Hessischen Landtag. Er nimmt Bezug auf die heute vorgestellte Idee der Sozialdemokraten, die Studentinnen und Studenten frühzeitig und langfristig verpflichten wollen. „Das ist für junge Leute nicht attraktiv, wenn sie zu Beginn ihres Studiums festlegen sollen, dass sie Allgemeinmediziner werden wollen. Was ist, wenn sie im Laufe ihres Studiums feststellen, dass ihnen zum Beispiel die Orthopädie oder die Chirurgie mehr liegt?“, gibt Pürsün zu bedenken. „Auch dass eine Vertragsstrafe von 250.000 Euro fällig werden könnte, dürfte kaum jemanden motivieren, sich auf ein Hausarzt-Dasein auf dem Land festzulegen.“ Ebenso wenig wüssten die angehenden Ärzte, wo denn später ihr Einsatzort sein werde, und hätten auch keinen Einfluss darauf.

Die Freien Demokraten wollen das Problem des Ärztemangels im ländlichen Raum anders angehen. „Wir wollen die Attraktivität des Arztberufes im ländlichen Raum steigern und Anreize setzen für junge Menschen, sich dort niederzulassen“, sagt Pürsün. Dazu könnte gehören, jungen Medizinern die Vorzüge eines Lebens auf dem Land deutlich zu machen und ihnen einen Coach zur Seite zu stellen, der sie bei den ersten Schritten der Niederlassung unterstützt. Pürsün regt zudem einen Aufbau regionaler Zentren zur Sicherung der Gesundheitsversorgung an. „Durch diese können Netzwerke geschaffen werden, die einer erweiterten multiprofessionellen Praxisgemeinschaft ähneln“, sagt der gesundheitspolitische Sprecher. Ein solches Modell ist bereits für den Lahn-Dill-Kreis geplant.

„Außerdem fordern wir den Ausbau der digitalen Gesundheitsversorgung. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die den Ärztinnen und Ärzten das Leben leichter machen würde und die Arbeitsbelastung senken könnte“, erklärt Pürsün. Exemplarisch nennt er ein nationales eHealth-Portal, das heute noch komplizierte und bürokratische Prozesse dann intelligent und elektronisch abwickeln könnte.