Mobilität 4.0

Verkehr29. September 2016

  • Digitalisierung des Verkehrs Herausforderung und Chance
  • Hessen muss Vorreiter sein – Agenda Hessen Mobilität 4.0
  • HOLM als strategisches Instrument einsetzen

Jürgen LENDERS, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag, erklärte auf der heutigen Pressekonferenz der FDP zum Thema „Autonomes Fahren und intelligente Lösungen für den ÖPNV“: „Die Digitalisierung revolutioniert den Verkehr auf allen relevanten Ebenen. Autonomes Fahren bringt völlig neue Anforderungen an Straßen und Autofahrer mit sich. Die Autos der Zukunft sind vollständig mit ihrer Umgebung vernetzt, werden anders gesteuert und anders eingesetzt als heute. Wenn LKWs ohne Fahrer autonom gesteuert werden, wird das große Auswirkungen auf die gesamte Logistik haben und auf die Art und Weise wie und zu welchen Preisen Güter und Waren transportiert werden können. Der Öffentliche Nahverkehr ist heute in vielen Bereichen nicht effizient und flexibel genug, wird aber ständig teurer. Auch hier werden automatisierte, vernetzte Systeme ganz neue Lösungen hervorbringen.“

Dieter POSCH, Staatsminister a.D. und Vorsitzender des FDP-Bundesfachausschusses für Verkehr, erklärte: „Mobilität 4.0 ist für Hessen als Transitland, Logistikdrehscheibe und Standort der Automobilindustrie eine ganz besondere Herausforderung. Aktuelle Studien von PwC und anderen prognostizieren, dass in zehn Jahren autonome Fahrzeuge zum Alltag gehören werden. Aktuell schafft der Bund alle verkehrsrechtlichen Voraussetzungen, um automatisierte Fahrzeuge im Straßenverkehr einsetzen zu können. Mit viel Geld aus Berlin wird auf der A9 in Bayern schon das „Digitale Testfeld Autobahn“ mit vollvernetzten Fahrzeugen und Straßen betrieben. Mobilität 4.0 ist viel näher als wir heute glauben.

In den Ausbau der hessischen Autobahnen und Bundesstraßen sollen bis 2030 über fünf Milliarden Euro fließen. Aber wie soll die intelligente Straße der Zukunft eigentlich aussehen? Wie soll die Verkehrssicherheit automatisierter und autonomer Fahrzeuge sichergestellt werden? Welche Anforderungen werden an Autofahrer in Zukunft gestellt, um die neuen Systeme auch beherrschen zu können?

Automatisiertes und vernetztes Fahren setzt den Ausbau der Datenkommunikation voraus. Der neue Mobilfunkstandard 5G soll ab 2020 in Deutschland verfügbar sein. Die großen Unternehmen der Automobilwirtschaft haben sich mit den führenden Netzwerkanbietern und Chipherstellern zu einer globalen Allianz zusammengeschlossen, um die Dateninfrastruktur für die Mobilität der Zukunft gemeinsam zu entwickeln.“

Lenders führte aus:

„Deutschland, das Automobilland schlechthin, muss Leitmarkt für die neuen automatisierten Fahrzeuge sein, wenn wir die Innovationsführerschaft im Automobilbereich behalten wollen. In Hessen sind über 50.000 Menschen bei namhaften Herstellern und Zulieferer, wie OPEL, Volkswagen, Daimler, Continental, Bosch, EDAG, Pirelli und Dunlop beschäftigt. Der Exportanteil liegt bei über 60 Prozent. Nur wenn wir mit unseren hessischen Standorten im internationalen Wettbewerb auch in der Zeit der digitalen Fahrzeuge bestehen, werden wir auch in Zukunft erfolgreich sein.

Für Hessen als Transitland ist der Schwerlastverkehr eine Herausforderung und Chance. Mit dem Flughafen Frankfurt als größtem europäischen Luftfrachtzentrum und dem Schienenknoten Frankfurt bieten sich mit Mobilität 4.0 völlig neue Potentiale um Straße, Schiene und Flughafen multimodal zu vernetzen und den Waren- und Gütertransport hocheffizient zu organisieren. Die digitale Lieferkette wird der Standortvorteil der Zukunft.

Das Land Hessen braucht dringend eine Strategie, wie mit der Digitalisierung der Verkehre umgegangen werden soll. Die Welt ändert sich rasant, aber von Verkehrsminister Al-Wazir hört man zu diesem Thema rein gar nichts. Dabei hat Hessen die besten Voraussetzungen, um Vorreiter bei Mobilität 4.0 zu werden. Mit dem House of Logistics and Mobility (HOLM) haben wir als Land ein Instrument, um Forschung, Verkehrsverbünde, Unternehmen und Straßenplaner zusammenzubringen.

Deshalb wollen wir, dass das HOLM eine Agenda „Hessen Mobilität 4.0“ entwirft, die klare Handlungsfelder für die Politik beschreibt und die Kooperation mit privaten und öffentlichen Akteuren steuert. Wir brauchen Testfelder und Modellregionen, wo innovative Konzepte und Technologien ausprobiert und weiterentwickelt werden.

Wenn die Landesregierung die Entwicklung weiter verschläft, wird Hessen abgehangen, denn das Innovationstempo ist extrem hoch. Die asiatischen und amerikanischen Automobilhersteller werden nicht warten, sondern richtig Gas geben, um die Weltmarktführerschaft in diesem Zukunftsmarkt zu übernehmen. Statt über die Zukunft des HOLM zu spekulieren, sollte die Landesregierung endlich begreifen, dass sie mit diesem Innovationszentrum einen Juwel in der Hand hält, das gefördert und gestärkt werden sollte. Dazu bedarf es aber politischen Wille,n wirklich zukunftsfähige Projekte anzugehen.

Herr Al-Wazir ist so mit seinen kleinteiligen Kampagnen für das Zufußgehen und dem Radschnellweg beschäftigt, dass er die großen strategischen Herausforderungen der Zukunft überhaupt nicht wahrnimmt. Wir sind mitten in der digitalen Revolution und Herr Al-Wazir träumt von Postkutschenromantik.“