DR. NAAS zu Besuch der Fraktionen aus Hessen, Baden-Württemberg und Bayern beim ESA Business Incubation Center (ESA-BIC) in Darmstadt

Wirtschaft29. Oktober 2019

Liberale Landtagsfraktionen fordern Space 4.0-Strategie zur Stärkung der Raumfahrtcluster in Deutschland

DARMSTADT / WIESBADEN – Mit einer zehnköpfigen Delegation unter der Leitung der wirtschaftspolitischen Sprecher Dr. Stefan Naas, Gabriele Reich-Gutjahr und Albert Duin besuchten Vertreterinnen und Vertreter der liberalen Landtagsfraktionen aus Hessen, Baden-Württemberg und Bayern, darunter der mittelstandspolitische Sprecher der baden-württembergischen Fraktion, Prof. Dr. Erik Schweickert, das ESA-BIC am Standort in Darmstadt. Das Ziel: Informationen aus erster Hand über die Potentiale und Herausforderungen der Kommerzialisierung der Raumfahrt. Und über die sich daraus ergebenden industriepolitischen Chancen in den jeweiligen Bundesländern. Gemeinsam mit dem ehemaligen Astronauten Dr. Thomas Reiter, ESA Koordinator Internationale Agenturen und Berater des Generaldirektors, sowie dem Geschäftsführer des ESA-BIC, Dr. Frank Zimmermann, diskutierten die Abgeordneten über die bestehenden Ansätze zur Förderung der Start-Up-Szene im Segment der Raumfahrtindustrie. Auch für den persönlichen Dialog und Austausch mit Gründerinnen und Gründern blieb genug Zeit. Das einmütige Ergebnis: Deutschland braucht eine ganzheitliche Space 4.0-Strategie. Nur so können die großen Zukunftschancen, die sich im Bereich der Raumfahrtindustrie heute schon ergeben auch künftig voll ausgeschöpft werden.

Dr. Naas wies auf die grundsätzliche Bedeutung von Raumfahrtunternehmen im Zusammenhang mit einer zukunftsfähigen Entwicklung der Industriestandorte in den drei Bundesländern hin: „Ein halbes Jahrhundert nach der ersten Mondlandung ist Raumfahrt viel mehr als nur realitätsferne Wissenschaft oder Raketen. Raumfahrt ist im digitalen Zeitalter von zentraler Bedeutung für unsere Industrie und deren künftige Wettbewerbsfähigkeit. Sie ist kritische Infrastruktur und Schlüssel für Zukunftstechnologien wie z. B. autonomes Fahren oder Industrie 4.0. Aufgrund der zunehmenden Vernetzung in einer modernen Industrie- und Informationsgesellschaft wird ihre Bedeutung weiter steigen. Die wachsende Kommerzialisierung der Raumfahrt ist dabei eine große Chance. Hessen, Baden-Württemberg und Bayern sind Hightech-Länder. Unser Anspruch muss es sein, an Standorten wie dem ESA-BIC die öffentliche Hand, Partner aus der Privatindustrie und die universitären Einrichtungen zusammenzuführen, um eine raumfahrtbezogene Gründungskultur zu befördern. Wir wollen mehr Astropreneurs in unseren Ländern.“

Für Albert Duin sollte dies daher auch der gemeinsame Anspruch von Industrie und Politik sein. „Unsere Vorstellung von Space 4.0 fokussiert die kommende Ära der Öffnung und Kooperation in der Raumfahrt. Es geht um neues Wissen, aber auch um neues Wachstum und neue, zukunftssichere Jobs. Entscheider in Wirtschaft und Politik bekommen mit Satellitendaten neue Werkzeuge an die Hand und die junge Generation wird mit faszinierenden Weltraummissionen inspiriert. Die Gründung neuer, innovativer Unternehmen, die Nutzung neuer Technologien und Herangehensweisen, und die Konvergenz mit dem Informationstechnologie-Sektor bilden die Grundlagen eines neuen industriepolitischen Experimentierraums.“

Auch Gabriele Reich-Gutjahr ist sich sicher: „Die Wichtigkeit der Informationstechnologie in der Raumfahrt steigt beständig. Vor 50 Jahren war die Raumfahrt Wegbereiter der IT-Industrie. Heute ist es die Informationstechnologie, die den Takt in der Raumfahrt angibt. Die Dynamik des IKT-Sektors ist sehr viel höher als in der klassischen Raumfahrt, getrieben durch einen kurzen Generationszyklus, hohen Wettbewerbs- und Innovationsdruck in Massenmärkten sowie die immer breitere Digitalisierung der globalen Wirtschaft und der privaten Lebenswelt. Space 4.0 wird sowohl durch neue Märkte für Dienste und Anwendungen, als auch durch die Entwicklung disruptiver Technologien und Produkte getrieben.

Prof. Dr. Schweickert stellte fest, dass der klare Fokus auf Markterfolg durch innovative Anwendungen läge und forderte: „Gerade die starke IT-Achse an der Schnittstelle der Metropolregionen Rhein-Main und Rhein-Neckar, das deutsche Silicon Valley, muss hier stärker als bisher Motor und Treiber der Innovationen sein. Es muss sichergestellt werden, dass die Innovations- und Produktionspotentiale kleiner und mittelständischer Firmen erschlossen und eingebunden werden, damit diese Entwicklungen auf breiter Linie Dynamik bringen.“

Für Dr. Naas hat sich gezeigt: „Kennzeichnend für die raumfahrtbasierte Start-up-Community ist die unternehmerische Initiative, Technologien und Dienste anzubieten, die besser, schneller, günstiger oder sogar alles zugleich sind als das Bisherige. Unternehmen im Bereich Space 4.0 haben verinnerlicht, dass der Standort entscheidend ist. Insbesondere um Zugang zu hochqualifiziertem Personal zu bekommen. Daher sehen wir eine zunehmende Anhäufung an Standorten, die sich durch bereits vorhandene Unternehmen aus anderen Hochtechnologiebranchen und eine erstklassige Vernetzung zur regionalen Forschungs- und Hochschullandschaft auszeichnen. Der Zugang zu staatlich geförderten Forschungsergebnissen und zu staatlichen Forschungsinfrastrukturen erleichtert die Entwicklung kommerzieller Produkte und Dienste durch innovative Unternehmen immens.“

Diese Standorte in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern zu identifizieren, miteinander zu vernetzen und durch kluge Innovations- und Gründerförderung zu nationalen Leuchttürmen eines neuen Industriezeitalters zu entwickeln ist, so die drei Abgeordneten, das erklärte Ziel der Landtagsfraktionen. Hierzu wolle man zeitnah ein gemeinsames Strategiepapier entwickeln und den Dialog vor Ort auch an bayerischen und baden-württembergischen Standorten fortsetzen.