STIRBÖCK: Freie Demokraten fordern digitale Mündigkeit statt Social-Media-Verbot
- Social Media ist Lebenswirklichkeit junger Menschen
- Freie Demokraten fordern Gesamtkonzept zur Medienbildung
- Digitale Mündigkeit entsteht im Klassenzimmer
Oliver Stirböck, Parlamentarischer Geschäftsführer und digitalpolitischer Sprecher der Freien Demokraten im Hessischen Landtag, hat ein pauschales Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche abgelehnt: „Mehr als neunzig Prozent der Kinder und Jugendlichen ab zehn Jahren in Deutschland nutzen regelmäßig soziale Medien und verbringen täglich knapp vier Stunden täglich an ihren Geräten. Das ist keine Parallelwelt, sondern die Welt, in der eine ganze Generation lebt“, erklärt Stirböck anlässlich der von den Freien Demokraten auf die Tagesordnung gesetzten Plenardebatte. Statt einem Verbot fordern die Freien Demokraten ein Gesamtkonzept für digitale Mündigkeit und Jugendmedienschutz. „Wer das Wasser für gefährlich hält, sperrt nicht das Schwimmbecken ab. Er bringt Kindern das Schwimmen bei und fördert das Bewusstsein für Gefahren“, veranschaulicht Stirböck.
Konkret schlagen die Freien Demokraten eine verbindliche Medienbildung für Kinder und Jugendliche vor: „Digitale Mündigkeit muss im Klassenzimmer, am Küchentisch und im Jugendzentrum entstehen, denn rund 40 Prozent der deutschen Achtklässlerinnen und Achtklässler haben lediglich rudimentäre Computerfähigkeiten. Diese Generation wird bisher kaum mit Werkzeugen und Wissen ausgestattet, um sich auf sozialen Medien bewegen zu können.“ Deshalb brauche es auch Fortbildungen für Lehrkräfte, einen Ausbau von Beratungsangeboten für Eltern und gezielte Angebote für Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Lebenslagen. Zusätzlich verweist Stirböck auf die berechtigten Interessen der Kinder und Jugendlichen: „Kinder und Jugendliche sind nicht nur Schutzobjekte. Sie haben Grundrechte – mit wachsender Eigenverantwortung, mit dem Recht, sich eine Meinung zu bilden, sich politisch zu äußern und digital zu vernetzen. Wer ihnen pauschal die Tür zu einem Lebensraum verschließt, in dem sie kommunizieren, lernen, ihre Stimme erheben, erklärt einer ganzen Generation sein Misstrauen.“
Forderungen nach einem Mindestalter zur Social-Media-Nutzung und begrenzten Nutzungszeiten hält Stirböck für falsch: „Das ist Befähigungs-Rhetorik mit dem Werkzeugkasten der Bevormundung.“ Schutz der jungen Menschen sei zweifelsohne wichtig, aber: „Er muss gestuft werden nach Risiko und Funktion sowie den tatsächlichen Gefahren, aber nicht nach dem Geburtsdatum.“
