Talentkampagne für Hessen

Wirtschaft11. Juli 2018

  • Sommerreise mit den Schwerpunkten Fachkräftemangel, Start-up-Förderung und moderne Arbeitswelt
  • Fachkräftemangel stellt Hessens Unternehmen vor große Herausforderungen
  • Freie Demokraten fordern Talentkampagne für Hessen

WIESBADEN – Im Rahmen seiner Sommerreise besuchte Jürgen LENDERS, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag, mehrere in der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) organisierte Unternehmen, um sich im direkten Austausch mit den Unternehmern vor Ort über deren aktuelle Herausforderungen und Probleme zu informieren. „Eine der größten Sorgen, die Hessens Unternehmen umtreibt, ist der Fachkräftemangel. Bereits jetzt gehören fehlende Talente zu den größten Entwicklungshemmnissen der hessischen Unternehmen. Das trifft kleine ebenso wie große Unternehmen. Diese Situation wird sich noch drastisch verschlimmern, wenn wir dem nicht endlich entgegenwirken“, erklärte Lenders. Wie der IHK Fachkräftemonitor Hessen zeigt, fehlten 2017 bereits 141.000 Fachkräfte in Hessen, 2030 werden es fast 300.000 sein. Die Freien Demokraten fordern deshalb eine Standortoffensive für Talente: „Vom LKW-Fahrer bis zum Biomediziner, vom Auszubildenden bis zum Geschäftsführer – wir brauchen für unser Land die besten Talente. Hessen muss für Arbeitnehmer endlich attraktiver werden“, so Lenders.

Wie wichtig die Attraktivität des Standorts für die Gewinnung von Fachkräften ist, davon konnte sich Lenders bei CSL Behring in Marburg überzeugen: „Marburg ist der größte Produktions- und Forschungsstandort der CSL-Gruppe und einer der größten Arbeitgeber in der Region. Das Unternehmen ist seit über hundert Jahren eng mit der Region verbunden, auch wegen des Hochschulstandorts. Um Mittelhessen auch für ausländische Fachkräfte attraktiv zu machen, braucht es Internationalität. Seit langem wird hier darum gekämpft, dass in der Region eine internationale Schule angesiedelt wird. Hier muss das Land im Rahmen der Wirtschaftsförderung mehr Unterstützung leisten.“

Der Fachkräftemangel trifft insbesondere auch Traditionsunternehmen wie die H.M. Gering GmbH & Co. KG in Gelnhausen. „Seit mehr als 100 Jahren fertigt Gering Kontroll-Loch-Zangen, die uns allen von der Entwertung unserer Bahntickets oder Eintrittskarten bekannt sein dürften. Doch jetzt steht das familiengeführte Unternehmen vor großen Problemen, weil es niemanden gibt, der unter den gegebenen Bedingungen die Nachfolge antreten möchte. Um Arbeitsplätze erhalten und neue Perspektiven eröffnen zu können, muss das Land Maßnahmen ergreifen, sodass erfolgreiche Betriebsübergange sichergestellt werden können. Dazu brauchen wir spezielle Förderprogramme. Und wir müssen die Instrumente der Wirtschaftsförderung stärker an die Bedürfnisse von Gründern anpassen“, forderte Lenders. Dazu gehöre auch, die Vorschriften der landeseigenen Wirtschafts- und Infrastrukturbank so zu ändern, dass die Unterstützung von Betriebsübergaben, Gründungen und Start-ups erleichtert würde.

„Insgesamt tut die schwarz-grüne Landesregierung viel zu wenig, um innovative Ideen aus Hessen und Innovationen in Hessen voranzutreiben“, kritisierte Lenders. Im Rahmen seiner Sommerreise konnte er erfahren, mit welchen Hürden selbst Hessens Vorzeigegründer zu kämpfen haben. „Gute Ideen und Konzepte dürfen nicht an der fehlenden Finanzierung scheitern. Hier können private Wagniskapitalgeber eine Schlüsselrolle einnehmen. Insbesondere in der Internet- und Biotech-Branche sind sie nicht selten der einzige Anlaufpunkt für kreative Köpfe, wenn es um finanzielle Unterstützung für ihre Ideen geht“, so Lenders. Lenders kritisierte, dass die finanzielle Unterstützung im Vergleich für Hessens Gründer im Vergleich zu anderen Bundesländern gering sei. Laut einer Analyse der Wirtschaftsberatung EY haben Jungunternehmer in Hessen im ersten Halbjahr 2018 98 Millionen Euro von Investoren erhalten, während 1,6 Milliarden Euro in die deutsche Gründerhauptstadt gingen.

Gerade mit Blick auf Hessens Schlüsselindustrien wünscht sich Lenders mehr Unterstützung vom Land für Gründer und Start-ups. Insbesondere die chemisch-pharmazeutische Industrie stellt viele Arbeitsplätze zur Verfügung und trägt entscheidend zur Wirtschaftsleistung und Forschungsstärke Hessens bei. „Um unsere Innovationskraft auszubauen, müssen wir Gründungen mit dem Schwerpunkt Chemie und Pharma eine hohe Priorität einräumen und Start-ups in diesem Bereich besser vernetzen“, so Lenders. Vorbildhaft passiere dies in Darmstadt, wo Merck in diesem Frühjahr das Innovation Center eröffnete, das Lenders im Rahmen seiner Sommerreise besuchte: „Es zeugt von Fortschrittlichkeit, wenn ein Traditionsunternehmen wie Merck im 350. Jahr seines Bestehens im Herzen seiner Konzernzentrale einen Raum schafft, in dem neue Ideen entwickelt und intelligente Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit gefunden werden sollen.“

Auch in Bezug auf die Arbeitswelt sei man im Innovation Center in der Gegenwart angekommen. „Noch immer schränken die bestehenden arbeitsrechtlichen Vorschriften in vielen Bereichen die Flexibilität für Beschäftigte und Unternehmen ein und müssen deshalb auf den Prüfstand gestellt werden. Auch hier können wir von Start-ups lernen und die Arbeitsbedingungen attraktiver gestalten“, ergänzte Lenders.

Nicht nur dem Arbeitnehmer, auch dem Arbeitsmarkt insgesamt will Lenders mehr Flexibilität geben. Bei seinem Besuch der Richter Gebäudedienste GmbH in Niestetal bei Kassel konstatierte er: „Unternehmen müssen flexibel reagieren können, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen. Um Auftragsspitzen abfangen oder kurzfristig spezialisierte Fachkräfte finden zu können, ist Zeitarbeit ein wichtiges Instrument. Die Realität ist aber nicht von Flexibilität, sondern von bürokratischen Hürden wie den Dokumentationspflichten für Mini-Jobs geprägt.“

Um Hessen für Arbeitnehmer attraktiver zu gestalten, wollen die Freien Demokraten eine Standortoffensive für Talente in Hessen starten. „Wir brauchen eine Talent-Kampagne für Hessen. Dazu gehören berufsorientierte Bildungsangebote ebenso wie die Gründerförderung an Hochschulen oder die Möglichkeit des Zuzugs von Fachkräften durch ein Einwanderungsgesetz. Nur mit den besten Talenten, wird Hessen Innovationsführer werden können“, so Lenders abschließend.