PROMNY zum Recht auf Bildung

Bildung / Schule6. Mai 2020

  • Krise legt Defizite im Bildungsbereich offen
  • Schulen werden zum Forschungslabor
  • Nachholbedarf beim digitalen Lernen

WIESBADEN – „Aus der Corona-Krise müssen wir lernen und Lehren für die Zukunft ziehen“, fordert Moritz PROMNY, bildungspolitischer Sprecher der Fraktion der Freien Demokraten im Hessischen Landtag. „Das Experiment, das gerade an Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern durchgeführt wird, muss auch wissenschaftlich begleitet werden“, sagt Promny in Bezug auf die schwierige Situation der Schulen in der Krisenzeit. Die Freien Demokraten haben dieses Thema unter der Überschrift „Gesundheitsschutz berücksichtigen – Recht auf Bildung gewährleisten“ als Setzpunkt, also als Schwerpunkt, auf die Tagesordnung der heutigen Plenarsitzung gesetzt. „Unser Bildungssystem hat Defizite, die während der Zeit der Schulschließungen, aber auch durch das Wiederhochfahren des Schulbetriebs aufgedeckt wurden und werden“, erklärt Promny. Von fehlenden Vorgaben zur Vorbereitung des kommenden Schuljahrs über sanitäre Anlagen in katastrophalem Zustand bis zu fehlendem WLAN reicht die Liste der bekannt gewordenen Beschwerden.

Seit der Schließung der Schulen Mitte März hätte laut Promny klar sein sollen, dass die Schulen irgendwann wieder in den Präsenzbetrieb gehen. „Trotzdem scheinen die Schulen mit der schrittweisen Öffnung zunehmend zum Forschungslabor zu werden“, moniert Promny. Lange warteten die Schulen auf ein Konzept zu Hygiene, Schulbussen und Pausenhofregelungen, und nach Ansicht der Freien Demokraten ist die Landesregierung eine transparente Abwägung der zur Verhandlung stehenden Güter Gesundheitsschutz, Recht auf Bildung, Chancengerechtigkeit und Entlastung der Familien schuldig geblieben. „Es fehlt eine Gesamtstrategie“, kritisiert Promny.

Deutlich gemacht habe die Krise zudem, dass massiver Nachholbedarf bei der digitalen Bildung besteht. „Zu wenig, zu spät, zu langsam – so lässt sich das zusammenfassen“, sagt der bildungspolitische Sprecher. „Mit dem digitalen Vorreiter Dänemark brauchen wir uns in puncto Endgeräte, Verfügbarkeit von Lernmanagementsystemen, IT-Ausstattung und -Support gar nicht erst vergleichen.“ Schon vor Wochen habe die Kultusministerkonferenz 100 Millionen Euro für die Unterstützung des digitalen Lernens in Aussicht gestellt. „Warum wird den Schulen mit diesen Mitteln nicht jetzt unter die Arme gegriffen?“, fragt Promny und fordert: „Die Zeit der Improvisation muss jetzt vorbei sein!“ Heißt: Schüler müssen mit digitalen Geräten wie Tablets ausgestattet werden. Dafür sollten die Schulen aus Mitteln des Digitalpakts schnell und unbürokratisch versorgt werden.

Gleichzeitig gelte es, die Leistungsfähigkeit des hessischen Schulportals zu verbessern. Dieses dient als Lernplattform und bietet Möglichkeiten zum datenschutzkonformen Austausch. „In einem Zeitungsinterview vom 26. April hat der Kultusminister gesagt, dass bis zum Sommer alle Schulen angeschlossen werden können. Auf der Support-Seite des Portals ist dann aber zu lesen, dass seit 20. April keine weiteren Registrierungsanträge bearbeitet würden. Da passt doch etwas nicht zusammen“, beklagt Promny und fragt: „Wo bleibt die Erhöhung der Serverkapazität? Wie sieht es mit Support in Echtzeit aus? Wo bleibt eine Task Force, die flächendeckend die Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer übernimmt? Wann wird endlich ein Videokonferenztool ins Schulportal eingebunden und wann die Einbindung externer Lernmaterialien ermöglicht?“ Promny schlussfolgert: „Die schlechte Nachricht ist, dass das aufseiten der Landesregierung anscheinend keiner weiß.“