Gedenkveranstaltung Point Alpha

07.10.2014

FDP-Politiker schildern ihre persönlichen Erlebnisse anlässlich des Mauerfalls vor 25 Jahren – ergreifende Berichte von Zeitzeugen

Vor 25 Jahren wurde die Mauer, die Deutschland, Europa aber auch die ganze Welt teilte, von den Menschen der DDR von innen heraus friedlich eingedrückt. Dies nahm die hessische FDP-Fraktion zum Anlass, am Sonntag,
5. Oktober 2014, an der Mauer-Gedenkstätte Point Alpha an der hessisch-thüringischen Grenze diesem historischen Ereignis zu gedenken. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Jürgen LENDERS diskutierte mit Zeitzeugen aus der Politik und mit zwei jungen Zeitzeugen, die zum Zeitpunkt der Wende 10 bzw. 14 Jahre alt waren.

Ruth Wagner, Staatsministerin a.D. hielt eine nachdenkliche und von persönlichen Erlebnissen geprägte Rede, die die Ereignisse, die schließlich zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten führten, historisch einbettete.

Staatssekretär a.D. Hans-Joachim Otto erzählte von einer Reise der Landtagsfraktion in die DDR 1986, die bleibende Eindrücke und Nachdenklichkeit bei allen Beteiligten hinterließ. Staatsminister a.D. Dieter Posch erinnerte daran, dass 1989 niemand auf die friedliche Revolution vorbereitet gewesen war und die hessische Landesregierung des Kabinetts Dr. Wallmann/Dr. Gerhardt damals in Windeseile ein Soforthilfeprogramm für Thüringen in Höhe von 250.000 DM beschloss.

Zeitzeuge David Altheide, der im Alter von 10 Jahren in der Prager Botschaft war, als Hans-Dietrich Genscher die Ausreisegenehmigung verkündete, erinnerte an diese historischen Tage – vielen Zuhörern bescherte dies eine Gänsehaut. Altheide, der auch als ehrenamtlicher Gästeführer in Point Alpha arbeitet, ließ es sich nicht nehmen, die Gruppe anschließend selbst noch durch die Grenzanlagen und das Museum zu führen.

Aber auch der Bogen in die Gegenwart wurde geschlagen. Mit dem Wissen um die geringe Wahlbeteiligung bei den drei zurückliegenden Landtagswahlen machten alle Diskutanten ihrer Sorge über die Akzeptanz von Politik Luft. Auch das gute Abschneiden der SED-Nachfolgepartei DIE LINKE beschäftigte Zuhörer und Podiumsteilnehmer gleichermaßen. Zeitzeuge Helge Mühr gab zu bedenken, dass möglicherweise nicht alle Menschen in der DDR die Revolution wollten, sondern eine Minderheit den „Wahnsinn“ schaffte.

Die stellvertretende Landesvorsitzende der FDP Hessen, Bettina Stark-Watzinger fand zum Abschluss noch treffende Worte zur scheinbaren Selbstverständlichkeit der Freiheit heute, die im Vergleich mit anderen Werten wie z.B. der Sicherheit in den Hintergrund tritt: „Die Globalisierung mit ihrer Beschleunigung aller Lebensverhältnisse, der gesellschaftlichen Veränderungen und der ungeordneten Informationsflut empfinden viele Menschen mehr als Bedrohung denn als freiheitliche Chance. Sie suchen Sicherheit aber auch eine Gleichheit der Ergebnisse, wo wir wissen, dass Freiheit erhalten und gelebt werden muss und Chancengerechtigkeit viel wichtiger ist. Diese Werte voranzubringen, ist Aufgabe der Liberalen.“