FDP-Anhörung zu Cybermobbing

24. November 2014

ROCK/SOMMERHALTER: Zunahme an Fällen von Cybermobbing erfordert neue Wege in Prävention und Krisenintervention‎ - FDP will Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen stärken

„Cybermobbing ist seit einigen Jahren zunehmend zu einem Problem für Kinder und Jugendliche, aber auch für die Schulen in Hessen geworden. Die Mehrheit der Experten hält die Einführung eines eigenen Straftatbestands und eines Cybermobbing-Gesetzes nicht für geeignet, um Mobbingangriffe im Netz zu verhindern. So lautete eine der zentralen Erkenntnisse einer Anhörung der FDP-Fraktion zum Thema Cybermobbing, bei der die Thematik von unterschiedlichen Seiten beleuchtet wurde. Die Teilnehmer der Anhörung waren sich darüber einig, dass der Schlüssel zur Beherrschung des Phänomens vor allem darin liegt, die Sozial- und Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen zu stärken.‎ Die FDP will auf Grundlage dieser Anhörung und des enormen Leidensdrucks der Betroffenen die Thematik auf die landespolitische Agenda setzen, da unserer Überzeugung nach bei den aktuell von der Landesregierung durchgeführten Maßnahmen noch erheblicher Verbesserungsbedarf besteht“, erklärte René ROCK, sozialpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion.

Eine Anfrage der FDP-Fraktion hatte ergeben, dass Mobbingangriffe an hessischen Schulen vor allem die 14- bis 17-Jährigen in den Klassen sieben bis zehn betreffen. In mehreren Fällen seien schwere psychische Probleme die Folge gewesen.

Peter SOMMERHALTER, Dozent für Prävention und Medienberatung bei „Bündnis gegen Cybermobbing“, führte aus:

„Laut einer aktuellen Studie waren bereits 17 Prozent aller Jugendlichen von Cybermobbing betroffen. Dabei werden boshafte Kommentare, Beleidigungen und Bedrohungen über soziale Netzwerke wie beispielsweise Facebook oder über whatsapp verbreitet. Auch gefälschte Profile und Hass-Gruppen sind alltäglich. Cybermobbing ist zumeist für die Betroffenen schlimmer als Schikanierungen auf dem Pausenhof, da die Eingriffe in das Privatleben rund um die Uhr stattfinden können, ein unüberschaubar großes Publikum dabei zusieht oder beteiligt ist und Inhalte von den Tätern unkontrolliert verbreitet werden können.

Betroffene leiden häufig unsägliche Qualen. Je früher jedoch das Thema Cybermobbing behandelt wird, desto besser sind die Erfolgsaussichten im konkreten Einzelfall. Schulen haben hier ein breites Spektrum an Möglichkeiten, um der Problematik in ihren Klassenzimmern vorzubeugen: Medienscouts, Cybermobbing-Interventionsteams und entsprechende Weiterbildungen beispielsweise als Schülerprojekte oder im Rahmen von Elternabenden haben sich in der Praxis bewährt.“

Rock erklärte weiter:

„Um dem Problem effektiv zu begegnen, sprechen wir uns dafür aus, dass entsprechende Medienkompetenzen bereits in der Grundschule und auch in den weiterführenden Schulen vermittelt werden. In diesem Zusammenhang halten wir verpflichtende Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer, die Integration der Thematik in die Lehrerausbildung sowie die Schulung älterer Schülerinnen und Schüler, die den jüngeren als Vertrauenspersonen und Ansprechpartner zur Verfügung stehen, für sinnvoll. Zudem halten wir es für erforderlich, dass eine zentrale, landesweite Anlaufstelle geschaffen wird, die eine schnelle und effektive Krisenintervention gewährleisten kann.“

Download des Antrags Cybermobbing Drucks. 19/962 als PDF-Datei.