Let`s talk about money
Wie wird gute Finanzbildung in Zukunft vermittelt? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Fraktion der Freien Demokraten im Hessischen Landtag in ihrer politischen Arbeit intensiv. Ein von der Fraktion erarbeitetes Positionspapier war jetzt inhaltliche Grundlage einer Podiumsdiskussion unter der Überschrift „Let’s talk about money“ mit Expertinnen und Experten für finanzielle Bildung. Fraktionsvorsitzender Stefan Naas ist überzeugt: „Wer Finanzen versteht, trifft bessere Entscheidungen. Studien zeigen, dass zwei Drittel der jungen Menschen sich mehr finanzielle Bildung wünschen. Das steht konträr zu der geringeren Quote von jungen Menschen, die tatsächlich schon investieren. Es besteht erheblicher Diskussionsbedarf.“ Fraktionsvorsitzende Wiebke Knell fügte an: „Gerade Frauen sind bei diesem Thema besonders benachteiligt. Wir sehen klare Defizite im Bildungssystem.“ Dass sich junge Menschen tatsächlich für Finanzbildung interessieren, zeigen die zahlreichen Angebote auf Social Media, merkte Oliver Stirböck, Parlamentarischer Geschäftsführer und digitalpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion, an: „Es gibt gute Influencer, die seriös aufklären, und es gibt Scharlatane, auf die zu viele junge Menschen reinfallen. Diese Bildungslücke muss von Schulen geschlossen werden. Wer aber Heidi Reichinnek von Wirtschaft reden hört, der weiß, wie schlecht es um Finanzbildung im Schulsystem bestellt ist.“



In der von Jessica Schwarzer, Börsenexpertin und Buchautorin, moderierten Diskussion wurde deutlich, dass die Fachleute diesen Eindruck teilen und massiven Nachholbedarf bei der Finanzbildung in Hessen und Deutschland sehen. „Mit Blick auf die Schule ist die nächste Generation verloren. Finanzbildung wird zu oft als unsexy betrachtet. Genau das muss geändert werden“, forderte die Moderatorin.

Den Mangel an schulischer Finanzbildung sieht Romina Kron, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für ökonomische Bildung in Siegen, ebenfalls kritisch: „In keinem Bundesland wird Wirtschaft auf Nebenfachniveau unterrichtet. Hessen liegt im bundesweiten Vergleich besonders weit zurück.“ Dabei sei der Begriff „Ökonomische Bildung“ für sie ein Oberbegriff. „Ökonomische Bildung ist Grundlage dafür, dass Menschen ihr Leben selbstbestimmt führen können. Finanzbildung soll den Schülern vermitteln, wie die Dinge im Finanzwesen funktionieren“, so Kron.
Aus diesem Grund unterrichtet Franco Gargano, Direktor des Bildungsunternehmens Dr. Jordan, an der Privatschule in Fulda das Fach „Financial Education“ verpflichtend zusätzlich zum vorgeschriebenen Lehrplan: „Sich für eine Geldanlage zu entscheiden, bedeutet, Verantwortung zu tragen. Durch Aufklärung wird den Schülern dabei die Unsicherheit genommen. Deshalb muss Finanzbildung an die Schule. Das muss Schule leisten können!“, sagte Gargano. Das Papier der Freien Demokraten sei ein guter Weg, um Lehrkräften die Bedeutung von Wirtschaft und Finanzbildung zu vermitteln. Aktuell spielen diese Themen an hessischen Schulen eher eine untergeordnete Rolle. Positiv berichtete Gargano zudem über die Eindrücke seiner Schüler, die sie bei einer öffentlichen Fraktionssitzung der Freien Demokraten beim Hessentag in Fulda gewonnen haben: „Die Schüler waren von der Sitzung begeistert. Das zeigt: Wenn man ihnen den Fisch hinhält, dann springen sie auf das Thema an.“


Swetlana Ewald, Leiterin der Initiative Finanzheldinnen, teilte den Eindruck, dass junge Menschen ein hohes Interesse an Finanzbildung haben: „Finanzbildung ist ein wichtiger Schritt zur Eigenständigkeit. Dass Themen wie Rente öffentlich diskutiert werden, zeigt, dass das Bewusstsein dafür bei jungen Menschen ausgeprägt ist. Zu häufig werden Finanzen aber immer noch als privates Thema behandelt und nicht mal in den Familien offen besprochen. Dazu haben Mädchen strukturelle Nachteile. Im Vergleich zu Jungs probieren sie sich in mehreren Dingen länger aus und haben einen Nachteil, wenn sie später in das Thema eingestiegen sind.“ Deshalb sei es ihr besonders wichtig, Content zur Finanzbildung für die Lebensrealität von Frauen zu produzieren. Die mangelnde Finanzbildung an Schulen ärgert sie: „Es kann nicht so schwer sein, Finanzbildung zentral anzubieten. Das zeigt zum Beispiel die zentrale Lernapp für die Führerscheinprüfung.“
Das Bündnis Ökonomische Bildung ist eine von über hundert deutschen Institutionen, die sich für die Stärkung der ökonomischen Bildung in Deutschland einsetzen. Sebastian Richter, stellvertretender Vorsitzender des Bündnisses, forderte mehr Struktur für die Bildungsangebote: „Es gibt über 180 Initiativen zur Wirtschaftsbildung. Dabei ist die Qualität schwankend.“ Der Sicht von Swetlana Ewald auf die Rolle der Familie schloss er sich an: „Mit Blick auf die Überschuldungsquote in Deutschland sind Eltern oft schlechte Beispiele für den Umgang mit Finanzen. Kinder sind glücksabhängig vom Elternhaus.“ Zudem müsse Finanzbildung als lebenslanges Lernen verstanden werden, sagte Richter. Dafür bräuchte es aber auch bessere Lernmaterialien.


Die Expertinnen und Experten waren sich am Ende einig: Die junge Generation braucht eine bessere Finanzbildung und fordert sie auch. Die Relevanz des Themas ist den meisten Menschen bekannt. Dennoch wird zu wenig über Finanzen und Finanzbildung gesprochen. Für die Freien Demokraten gilt also: Es braucht ein verpflichtendes Schulfach Wirtschaft, das das Thema gesellschaftlich öffnet, es den Kindern unabhängig vom Elternhaus vermittelt und vor allem die strukturellen Benachteiligungen von Mädchen und Frauen überwindet. Nur durch gute Finanzbildung bekommt jedes Kind die Grundlage für ein wirklich selbstbestimmtes Leben.
