Wirtschaftskongress 2026: Industrie braucht wieder Luft zum Atmen

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Wie bleibt Hessen ein starker Industriestandort? Was brauchen Unternehmen, um wieder mehr zu investieren? Und wie können Innovation, Wachstum und hochwertige Arbeitsplätze gesichert werden? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des dritten Wirtschaftskongresses der Freien Demokraten im Hessischen Landtag. Rund 500 Gäste aus unterschiedlichen Regionen und Branchen Hessens zeigten das große Interesse an der Zukunft des Wirtschaftsstandorts.

Denn die Lage ist ernst: Deutschland hat innerhalb von drei Jahren rund sieben Prozent seiner industriellen Produktion eingebüßt. Allein 2025 gingen rund 177.000 Industriearbeitsplätze verloren. Fraktionsvorsitzender Dr. Stefan Naas machte deutlich: „Unternehmen kämpfen mit hohen Energiepreisen, Steuern und Abgaben, Bürokratie, langwierigen Genehmigungsverfahren und Defiziten bei Digitalisierung und Infrastruktur. Dabei kann die Antwort nicht in neuen Subventionen und staatlicher Detailsteuerung liegen. Liberale Industriepolitik schreibt Unternehmen nicht vor, was sie produzieren wollen. Sie sorgt dafür, dass Unternehmen hier bei uns produzieren wollen.“ Fraktionsvorsitzende Wiebke Knell ergänzte dazu: „Unsere Unternehmen sind innovativ, unsere Beschäftigten hervorragend qualifiziert und unser Mittelstand stark. Das Problem ist nicht, dass unsere Industrie plötzlich schwach geworden wäre. Das Problem ist, dass unser Standort an Wettbewerbsfähigkeit verloren hat. Wir müssen die politischen Bremsen lösen: weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen, bezahlbare Energie und mehr Freiräume für Investitionen und Innovationen.“

Prof. Achim Wambach, Präsident des ZEW – Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, zeigte in seiner Keynote den wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf auf. „Deutschland ist in den vergangenen Jahren geschrumpft, während andere europäische Volkswirtschaften gewachsen sind. Der Standort Deutschland ist vor allem durch hohe Unternehmenssteuern, Energiekosten und Bürokratie belastet. Dazu kommen Defizite bei der Digitalisierung und hohe Steuern und Abgaben auf Arbeit.“ Zugleich verwies Wambach auf Chancen: „Hessen braucht mehr Gründungen. Allgemein muss Deutschland die Bedingungen für Arbeit und Investitionen verbessern. Internationale Märkte außerhalb Chinas und den USA und steigende Investitionen in Sicherheit und Verteidigung bieten ein enormes Wachstumspotenzial.“

Wie dramatisch die Situation in einzelnen Industriezweigen bereits ist, schilderte Dr. Joachim Kreysing, Geschäftsführer von Infraserv Höchst. „Chemie und Pharma sind Hessens umsatzstärkster Industriezweig, doch hohe Energie- und CO2-Kosten, schwache Abnehmerbranchen und der Wettbewerbsdruck aus China setzen die Unternehmen massiv unter Druck.“ Im Industriepark Höchst sei die Produktionsmenge seit 2021 um rund 31 Prozent zurückgegangen. Investitionen blieben aus und Anlagen würden zunehmend geschlossen. „Besonders gefährlich ist die Verzahnung der Unternehmen. Wenn ein Dominostein in der industriellen Wertschöpfungskette fällt, drohen zehn oder zwanzig weitere Steine zu fallen“, erklärte Kreysing. 

Dr. Boris Mergell, Vorstand Safety & Motion von AUMOVIO, richtete den Blick auf die Automobilindustrie. Seiner Einschätzung nach ist Europa im globalen Wettbewerb zu schwach aufgestellt und Deutschland zu teuer und zu unflexibel. „Außer hohen Lohnkosten erschweren regulierende Vorgaben die tägliche Arbeit. Gleichzeitig muss Deutschland stärker in Bildung und Digitalisierung investieren und sich von überholten Wachstumserwartungen verabschieden“, erklärte Mergell.

In vier IndustryLabs diskutierten die Gäste anschließend zusammen mit den Abgeordneten der Fraktion und Branchenvertretern konkrete Lösungsansätze. Oliver Stirböck, Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion, moderierte im Anschluss die Vorstellung der Ergebnisse. Im ChemLab ging es vor allem darum, für die Chemiebranche Innovationen zu ermöglichen, Finanzierungsbedingungen zu verbessern, Genehmigungen zu vereinfachen und Bürokratie abzubauen, wie der Sprecher für Wissenschaft und Forschung Dr. Matthias Büger berichtete.

Im DefenseLab stand die starke nordhessische Verteidigungsindustrie im Fokus. Marion Schardt-Sauer, justizpolitische Sprecherin, und der Sprecher für Innenpolitik Moritz Promny diskutierten mit den anwesenden Gästen über sichere Arbeitsplätze, die veränderte Bedrohungslage und die Zukunft von Zivilklauseln. Dabei ist für die Freien Demokraten klar, dass Zivilklauseln in ihrer aktuellen Form abgeschafft werden müssen, um Forschung und Innovation für eine stärkere Bundeswehr zu ermöglichen.

Das AviationLab nahm den Luftfahrtstandort Frankfurt in den Blick. Im Wettbewerb mit internationalen Drehkreuzen wie Doha, Dubai und Istanbul braucht Frankfurt bessere Rahmenbedingungen und eine enge Partnerschaft zwischen Politik, Flughafen und Fluggesellschaften, berichtete der Frankfurter Abgeordnete Yanki Pürsün.

Im MobilityLab wurde deutlich, dass sich die deutsche Automobilindustrie wieder stärker dem internationalen Wettbewerb stellen muss. René Rock, Vizepräsident des Hessischen Landtags, betonte, dass die Unternehmen gerade auf dem chinesischen Markt die Bedürfnisse der Kunden stärker berücksichtigen und ihre Produkte dementsprechend ausrichten müssen.

Der Wirtschaftskongress hat gezeigt, dass Hessens Industrie weiterhin enorme Stärken hat. Dennoch brauchen Unternehmen wieder bessere Bedingungen, um daraus Wachstum und neue Arbeitsplätze zu schaffen. „Eine starke Wirtschaft braucht Freiheit. Sie braucht Wettbewerb. Sie braucht Technologieoffenheit. Hessen soll ein Land bleiben, in dem aus Ideen Innovationen, aus Mut Investitionen und aus unternehmerischem Erfolg neuer Wohlstand entsteht“, fasste Wiebke Knell zusammen. Dazu ergänzte Dr. Stefan Naas abschließend: „Eines hat der Kongress für uns deutlich gemacht: Es braucht die Freien Demokraten. Als politische Kraft, die daran erinnert, dass Wohlstand nicht vom Staat verteilt werden kann, bevor er erwirtschaftet wurde. Als Stimme für diejenigen, die investieren, Unternehmen gründen, Arbeitsplätze schaffen und jeden Morgen Verantwortung übernehmen.“